Die Jahrhunderthalle Bochum zeichnet sich in jeder Hinsicht durch ihre Variabilität aus. Im Lauf ihrer Geschichte barg sie in sich eine Kraftzentrale für ein Stahlwerk, wurde im Drittem Reich für die Rüstungsindustrie verwendet und nach einer weiteren Dienstzeit für die Stahlindustrie nennt man die nun eine "Montagehalle für Kunst" und will damit ausdrücken, dass es sich bei ihr um eine vielseitig nutzbare Veranstaltungs- und Konzerthalle handelt. Erstmalig errichtet wurde sie im Rahmen der kleinen Weltausstellung 1902 in Düsseldorf auf einer Rheinwiese, erst danach kam sie an ihren heutigen Standort in Bochum. Die Jahrhunderthalle kann also vielseitige Bekanntschafften vorweisen mit zwei Städten, mit Stahlarbeitern, Zwangsarbeitern, wieder Stahlarbeitern und nun seit 2003 mit einem breiten Künstlerspektrum und dem dazugehörigen Kunstpublikum.
Bei dem Besuch der Halle an einem Nichtaufführungstag erscheint die Jahrhunderthalle als ein rein industrielles Gebäude. Die moderne Veranstaltunstechnik wurde beim Umbau bestmöglich in den Stahlträgern verborgen. Erst durch die Erläuterungen der uns führenden Mitarbeiter wird die Vorstellung einer Nutzung für musikalische Projekte allmählich überzeugend. Und in dieser Hinsicht offenbart die Halle auch heute noch ihr variables Gesicht; die Möglichkeiten für verschiedenste Inszenierungen, die sich durch den Umbau der Bühnen und Tribünen, die schon fahr- oder drehbar gemacht wurden, oder durch lichttechnische Konstruktionen, wie etwa der einer riesigen Lichtkuppel, verwirklichen lassen, scheinen enorm. Für uns liegt die Halle dagegen still und leer in Tageslicht getaucht da, die für die Akkustik wichtigen Vorhänge zwischen den Hallenteilen sind offen und die Möglichkeiten für die Veranstaltungstechnik sind nur mögliche Vorstellungen. Aber in Anbetracht der erfolgreichen Rhurtriennalen wollen wir glauben, dass der augenscheinliche Gegensatz zwischen Industriehalle und Konzertraum nur ein konzeptioneller, optischer ist, der Blick der Industrie, aber die Ohren der Musik gehören.
Mittwoch, 17. Februar 2010
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